Behandlungsmethoden

Ausleitungsverfahren

Im Altertum und frühen Mittelalter, bis zur Entdeckung des Blutkreislaufes, stellte man sich die Funktionen des Körpers als ein Wechselspiel von verschiedenen Säften (lat. humores) vor. Man glaubte, innere Krankheiten würden aufgrund von Ungleichgewichten, Verunreinigungen und Vergiftung dieser Körpersäfte zustande kommen. Hippokrates z. B. beschrieb Dyskrasien, d. h. schlechte Mischungen von Blut, Lymphe, Galle und Schleim. Das Missverhältnis ist tatsächlich quantitativ zu verstehen. Die vier körperlichen humores standen zudem in Konkurrenz und Wechselwirkung zu den edleren, „seelischen“ Flüssigkeiten oberhalb des Zwerchfells (Tränen, Speichel, Liquor), die spiritus genannt wurden.

In der Antike entwickelte sich die Theorie, dass Überfluss als Ursache von Krankheiten anzusehen sei (heute: Zivilisationskrankheiten wie z.B. Rheuma, Gicht, Arthrose, Bluthochdruck, Adipositas usw.). Mit diesen Vorstellungen versuchten die Heilkundigen, dem Körper krankmachende Säfte auszuleiten. Die Hauptrichtung der Therapie geht von innen nach außen.

Auch aus der TCM kennt man heute folgenden Grundsatz aller Krankheitsgeschehnisse, der da lautet:

„Der Mensch scheidet über den Darm aus.
Was er über den Darm nicht ausscheiden kann, scheidet er über die Lunge aus.
Was er über die Lunge nicht ausscheiden kann, scheidet er über die Haut aus.
Was er über die Haut nicht ausscheiden kann, führt zum Tode.“

Dies ist so zu verstehen, dass Toxine (Gifte), die keinen Ausscheidungsweg aus dem Körper finden, ursächlich für schwere Leiden bis hin zur Auslösung eines Krebsgeschehens sein können und der Therapeut daher bemüht sein sollte, diese mittels möglicher – ausleitender – Verfahren aus dem Körper herauszubringen.

Die wichtigsten und bekanntesten Ausleitungsverfahren sind: Aderlass, Blutegeltherapie, Cantharidenbehandlung, Schröpfen und Schwitzkuren, außerdem Ausleitungen über den Magen-Darm-Trakt mit Brech- und Abführmitteln (bekannt ist hier „Glaubersalz“) oder über das Harnsystem mit Diuretika (harntreibende Mittel).